Helmut Knaus Senior: Der Herr der Schwalben

Als der Architekt Helmut Knaus Senior 1960 sein Wohnwagenunternehmen „Knaus KG“ in Marktbreit bei Würzburg gründete, lag alles Schicksal in einer Hand –  seiner Hand: das Aussehen der Fabrik, der Entwurf des bis heute bekannten Markenzeichens mit den beiden Schwalben und die Entwicklung eines ersten bis dato nicht gesehenen Wohnanhängers namens „Schwalbennest“. Der war eine konstruktive Sensation in Sachen Leichtbau und Aerodynamik und sorgte bereits im Frühjahr 1961 auf der internationalen Campingausstellung in Essen teils für Furore, teils für Kritik. Was soll das sein? Ein „Ei“ zum Hinterherziehen? Eine Diskussion über Design und guten Geschmack ganz im Sinne des Erfinders, denn dieser war weiß Gott kein Mann fürs Mittelmaß. 

Alles prägte, konzipierte und formte Helmut Knaus Senior, der auch Ingenieur- und Baumeisterwesen studiert hatte, nach seinem Gusto und Wissen – die Intuition des Gestalters immer mit im Gepäck. Der Rest ist Geschichte. Das sonderbare Caravan-Ei wurde zum Erfolgstreiber par excellence für die Firma, gefolgt von dem bis heute „bewegenden“ SÜDWIND und vielen anderen Knaus-Kreationen. Und der Preis? Ein „Schwalbennest“ kostete 1963 zwischen 2.750 und 3.500 Mark – preisgekröntes Design kostenlos inklusive. Beim „Schönheits-Wettbewerb“ des XXI. Internationalen Automobilturniers 1961 in Bad Neuenahr gab´s drei Mal „Gold“ für die „Schwalbennest“-Modelle „Luxus“, „Komfort“ und „Sport“.  

Wenn Helmut Knaus Senior etwas machte, dann richtig. Auch Arbeitsplätze schaffen. 1970 zog es den gebürtigen Heilbronner mitsamt seiner Innovationskraft in den Bayerischen Wald, wo er 5 Mio. Euro investierte und 300 Menschen Beschäftigung gab. Daraus wurden rund 35 Jahre später 900 Arbeitsplätze allein am Standort Jandelsbrunn plus hunderten weiteren im hessischen Mottgers und am Standort in Ungarn. Und aus 100 „Schwalbennestern“ 1961 wurden eine Generation später über 20.000 Wohnwagen und Reisemobile, die vom Band liefen. Der Rest ist wiederum Geschichte.

Die Geschichte eines Mannes, der 1973 das Bundesverdienstkreuz ersten Grades und den Bayerischen Verdienstorden verliehen bekam. Das bewegende Lebenswerk eines Pioniers aber auch, das mit einem kleinen Skizzenbuch begann, das Brigitte, die Frau von Helmut Knaus Senior, noch aus dem Krieg gerettet hatte. Darin enthalten: die ersten Gedanken zu einem Wohnwagen, der Geschichte schreiben sollte.