Alfred Tabbert: Don Alfredos Leidenschaft

Als Alfred Tabbert geboren wurde, beginnt Ford gerade mit der Produktion des legendären T-Modells, bis 1972 das meistverkaufte Automobil der Welt. Alles und jeder ist im Mobilitätsfieber, auch der junge Alfred Tabbert. Das Handwerk des Karosseriebauers lernt er bei den Siemens-Automobilwerken in Berlin, wird Meister und gründet 1934 sein eigenes Unternehmen im unterfränkischen Schweinfurt.

Zehn Jahre später liegt seine Fabrik kriegsbedingt in Schutt und Asche, an einen Wiederaufbau ist hier nicht zu denken. Also zieht der engagierte Handwerker mit Sack und Pack an einen neuen Standort. In Bad Kissingen fertigt Tabbert nach dem Krieg mit 80 Mitarbeitern täglich rund zwölf landwirtschaftliche Plateau-Wagen – der Anfang einer langen kreativen Schaffensphase auf zwei unterschiedlichen Terrains: Zum einen baut Tabbert mit seinen Leuten Anhänger aller Art, zum anderen war da seine handwerkliche Leidenschaft für hochwertige Möbel. 1953, mitten im Wirtschaftswunder-Boom, fertigt Tabbert dann seinen ersten Wohnwagen aus ölgehärteten Pressplatten, der rund 2 Jahre später als „Ideal“-Caravan in Serie geht. Der ideale Urlaub kostet die Menschen damals ganze 3.000 Mark – für ein 240-kg-Leichtgewicht auf 1,60 m Breite. Doch aus historischer Sicht war der Tabbert-„Ideal“ mehr als ein Wohnwagen: Er war Ausdruck dessen, was dem Karosseriebau-Meister so unendlich wichtig war – die wirklich schönen Dinge des Lebens und die Liebe zum qualitativen Detail.

Elfenbeinfarbige Kunstharzlackierung, Rundum-Aluminiumleisten, kunstvoll gemalte Holzmaserungen – das war schon immer die Welt des Caravaning-Poeten, der alles selbst machen wollte, vom Fußboden bis zum Flaschenkasten. Poetisch waren auch die Namen der bis 1965 auf 14 Modelle angewachsenen Produktpalette: „Kurfüst“, „Exzellenz“, „Comtesse“ und „Gouverneur“ eroberten vom hessischen Mottgers aus die Lande, bis Alfred Tabbert 1971 an der Spitze der deutschen Caravan-Hersteller lag. Eine Geschichte, wie sie exemplarischer nicht sein könnte: Ein Mann hat ein „Ideal“ – die Vision, dass alles „schön und gut“ sein muss –, und dem folgt er unbeirrt bis ans Ende und zurück.